Startseite
Über Mich
AHP4
Galerie
Sehschlangen
Tourenbuch
Bookmarks
Elektronik
Bewertung
Geschichten

Auflistung meiner bisher gegangenen Touren


Einzelheiten zur Tour Harzer Grenzweg Tag 2: Vom Ehrenplan zum Dreieckigen Pfahl

Aufbruchszeit25.February 2022, 08:05
Ankunftszeit25.February 2022, 16:00
KategorieMittelgebirge Mittelgebirgstour
Schwierigkeitmittel mittel
Länge in km26
Höhendifferenz700
Kartenausschnitthier klicken!
Streckenprofilhier klicken!

Weitere Einzelheiten zur Tour

Gegen 06:45 Uhr war die Nacht zu Ende, dem Morgen graute endlich. Ja, Biwaknächte im Winter sind irgendwie immer viel zu lang, irgendwann liegt man sich wund. :-)
Ich knabberte zum Frühstück eine Haferflockenbombe, Richie machte sich eine warme Mahlzeit, dafür gab es bei mir einen heißen Kaffee, eine sehr nette Sache bei -2 Grad. Draußen war alles ganz frisch überzuckert, der Himmel locker bewölkt, es sah jedenfalls nicht hoffnungslos aus. Die anderen beiden Wanderer mussten ziemlich geschafft sein, sie machten keine Anstalten, aufzustehen, vielleicht wollten sie auch unsere Gesellschaft nicht. Wir werden es nie erfahren. In der Nähe des Ehrenplans lag die Quelle des Kleinen Kunzenbachs, dort konnte ich relativ frisches Wasser (mit etwas Schwebeteilchen) zapfen. Gegen acht brachen wir auf. Erstes Hindernis des Tages war der steile Aufstieg zum Großen Ehrenberg, dem höchsten Harzgipfel im thüringischen Harzteil mit 635m Höhe. Nach den Ehrenberg stiegen wir zur B4 ab, wo am frühen Morgen nur sehr wenig Verkehr war. Nun begann Kolonnenweg pur. In Hohegeiß hatten wir kleine Hoffnung, dass wir beim Grenz-Imbiss einkehren könnten, aber dort war offenbar schon seit längerem geschlossen. Dann also weiter in Richtung Sorge. Sorge ließen wir aber rechts liegen, es gab vom alten Grenzturm einen direkten Abstieg nach Norden, allerdings steil und matschig. An der Warmen Bode dann ein ernsthaftes Hindernis, ein Windbruch im Fichtenwald, so dicht gefallen, dass es kaum einen Durchlass gab. Nach Überquerung der alten Bahnbrücke über die Warme Bode (dort lagen sogar noch die Schienen der alten Schmalspurstrecke!) begann ein sehr langes Stück bis zum Wurmberg. Es gab keine Bänke, keine Schutzhütten, nichts. Ne, etwas gab es doch: Schneefall. So arbeiteten wir uns kilometerfressend immer weiter an den Hochharz heran, bis wir irgendwann die Straße von Braunlage nach Elend überquerten. Die Hoffnung, dass hier Kucki einen mobilen Erbsensuppenstand hätte, erfüllte sich leider auch nicht. Also nun steiler den Berg empor, links von uns rauschte die Bremke geräuschvoll zu Tal. Wir hatten bald eine feste Schneedecke, und links von uns lag der große Parkplatz für die Wurmbergpisten. Wir probierten, ob wir in das Gasthaus am Hexenritt einkehren konnten, aber obwohl es Freitagmittag war, war einfach zu viel drinnen los. Erstaunlicherweise wollte niemand etwas von der Imbussbude auf der Terrasse haben. Also gönnten wir uns dort eine Erbsensuppe, für mich gab es noch ein Weizenbier dazu. Pistenskifahren wird wirklich nie meins. Sehr schön konnten wir beobachten, wie die meisten die blaue Piste 2 Minuten lang hinunterfahren, um dann 15 Minuten am Schlepplift anzustehen und dann im Schneckentempo wieder nach oben zu fahren. Sehr oft blieb der Schlepplift stecken, na ja, irgendwem wird es schon Spaß machen.
Irgendwann mussten wir aber weiter. Es ging nun weiter steil empor zur Sattelfläche zwischen Wurmberg und Großem Winterberg. In der Höhe von 850 Metern sah es sehr winterlich aus, viele Verwehungen! Wir wechselten wieder die Grenzseite nach Niedersachsen zum Ulmer Weg. Bei Erreichen der Talstation eines Schleppliftes kam uns ein Radlader entgegen. Auf einer Länge von ca. 1000 Metern musste dieser die Zufahrt zum Schlepplift freischaufeln, denn morgen sollten wohl alle Liftanlagen auf dem Wurmberg laufen. Wir freuten uns, endlich mal wieder geräumten Weg zu haben. Danach wollten wir uns die Schutzhütte an der Stieglitzecke anschauen. Oje, die Skepsis, die wir schon vorher hatten, bewahrheitete sich massiv. Die Hütte war vielleicht 2x2m groß, zu vier Seiten mit Fenstern offen, das Dach an der Nordostseite beschädigt, drinnen Wurzelstubben und viel Schnee. Nein, Übernachten war hier schlicht unmöglich. So mussten wir all unsere Hoffnung auf die Schutzhütte am Dreieckigen Pfahl projizieren. Zunächst aber mussten wir den letzten Rest vom Wurmberg absteigen. Oje, kein Wald mehr da, der Wind pfiff erbärmlich über das Plateau. Irgendwann waren wir endlich wieder im windgeschützten Wald und arbeiteten uns die letzten zwei Kilometer bis zum Dreieckigen Pfahl voran.
Irgendwann kamen wir an, sehr glücklich, und die längste Etappe der ganzen vier Tage mit vielen Höhenmetern hinter uns. Nun schnell den Kocher anschmeißen und viel Schnee schmelzen. Während wir unser Abendessen kochten, setzte wieder leichter Schneefall ein, einige Male donnerte es sogar kräftig. Aber der Wind konnte den Schnee nicht weit in die Hütte hineinwehen. Na Gott sei Dank. Irgendwann so gegen 19:15 Uhr wurde uns zu kalt, und wir verzogen uns in die Schlafsäcke. Heute mussten wir auf den schmalen Bänken der halboffenen achteckigen Nationalparkhütten schlafen. Diese Hütten sind ein ziemlicher Designfehler, man könnte fast vermuten, sie wurden genau so entworfen, dass man gerade eben nicht mehr bequem auf den Bänken schlafen kann! Grr! Ich versuchte etwas zu dösen, wurde dann aber von einem Rascheln aufgeschreckt. Ich hatte es ja gewagt, Rucksack und Fressbeutel auf der Bank zu deponieren, und dort kam doch eine Maus hochgesprungen. Im Schnee war die Spur zu erkennen, und auf der Bank waren Mäuseköttel zu sehen. Also aus dem Schlafsack raus und den Kram kurzerhand ans Gebälk gehängt. Beim Zurückkrabbeln in den Schlafsack verlor ich auf der schmalen Bank das Gleichgewicht und plumpste auf den Hüttenboden. Danach war ich erstmal etwas bedient. Es wurde dann aber auch nicht besser, denn die nächsten zwei Stunden wehte doch wieder schneebeladener Wind in die Hütte hinein, genau Richie und mir ins Gesicht. Aber irgendwie klappte es dann doch, dass wir in einen unregelmäßigen Schlaf fielen. In der Ferne war wieder das Rauschen des Sturms zu hören, also Ohrenproppen rein. In der Nacht kamen noch ein paar Brockenwanderer und eine Loipenraupe vorbei.


Letzte Änderung : 22-Jul-2022
Copyright Jens Köhler, Wolfsburg, Obere Dorfstraße 10d