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Auflistung meiner bisher gegangenen Touren


Einzelheiten zur Tour Biwaktour Werratal Tag 2: Ausgespann-Zielecke

Aufbruchszeit25.September 2022, 09:00
Ankunftszeit25.September 2022, 21:15
KategorieMittelgebirge Mittelgebirgstour
Schwierigkeitschwer schwer
Länge in km28
Höhendifferenz860
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Streckenprofilhier klicken!

Weitere Einzelheiten zur Tour

Zweiter Tag der dreitägigen Biwaktour. Die Nacht war für Ende September und einer Höhe von 370m ausgesprochen mild, 10 Grad bei bedecktem Himmel und Windstille. Draußen war es relativ trüb. Wir standen auf, frühstückten und machten uns abmarschbereit, um 9 Uhr ging es weiter. Zunächst auf einer langweiligen Forststraße mit ein paar Aussichtspunkten hinab, dann wechselten wir auf einen Wiesenpfad am Rande des Naturschutzgebiets Hasenwinkel, das war schon wesentlich interessanter, erst recht, als wir mitansehen konnten, wie ein Fuchs einen Hasen jagte. Kurz sah es aus, als hätte der Fuchs den Hasen erwischt, aber er konnte sich wild hakenschlagend dann doch im Unterholz in Sicherheit bringen. Nun kamen zwei geologische Schmankerln, der Spitze und der Breite Stein. Das Wiesengelände rund um den Spitzen Stein war eingezäunt, eine Schaf- und eine Ziegenherde lebten dort, aber durch eine Pforte war der Zugang möglich. Die Ziegenherde war sehr neugierig und kam uns sofort entgegen gerannt, die Schafe folgten wenig später. Der Ziegenbock strömte wirklich einen krassen Gestank aus. Die Ziegen in ihrem natürlichen Habitat hatten recht viel Freude, auf den Felsen herumzukraxeln, und auch ich bestieg den Spitzen Stein.
Dann mussten wir aber weiter, hinter dem Breiten Stein hinunter in ein Tal, dort gab es seit langem den ersten Bach überhaupt, mein Wasserfilter konnte zeigen, was er konnte. Weiter ging es über Schotter- und Asphaltwege nach Vatterode. Nach Queren einer kleinen Landstraße trafen wir die Rinderherde von Uli, und Ulis Tochter kam mit dem Kinderwagen gerade aus Vatterode herab. Woher ich das alles weiß? Na ja, im winzig kleinen Dorf Vatterode schauten wir uns zunächst die kleine Dorfkirche an, dann ging es weiter bergauf, und wir erreichten das Dorfgemeinschaftshaus. Dort waren ein paar junge Leute gerade mit Aufräumen beschäftigt. Der erste, der uns sah, rief: Oh, Wanderer! Wollt ihr eine Brezel? Am Vorabend war Oktoberfest, und ein paar Reste waren noch übrig. Natürlich sagten wir nicht nein, ich bekam sogar noch ein frisch Gezapftes, wir konnten unsere Trinkblasen auffüllen und auch das WC benutzen. Die jungen Leute erzählten uns eine Menge über ihr 80-Einwohner-Dorf, über die umgebende Natur (Vatteröder Stein, Ditzenröder Stein, Nase, Burgruine Altenstein). Wir sollten uns schonmal den 1.Mai freihalten, da gäbe es eine ganz tolle Wanderung über die Steine zur Burgruine Altenstein. Na ja, und dabei erfuhren wir auch, dass die Kuhherde an der Landstraße dem Uli gehört. :-)
Ein zweites Bier wollte ich mir dann doch nicht reintun, so mussten wir uns verabschieden, um den ersten Berg des Tages zu erklimmen. Zunächst ca. 200 Hm hinauf zum Vatteroder Stein. Dieser bot einen guten Blick auf Vatterode, war sonst aber eher unspektakulär. Spannender wurde es aber am Ditzenröder Stein, hier brachen die Kalkfelsen in riesigen Wänden (ca. 80m) nach Westen in die Tiefe ab, das ganze in einem riesigen Halbrund. Das schauten wir uns kurz an, leider kam genau an diesem Ort ein kleiner Nieselregen herunter. Wir setzten die Tour fort und gingen auf abwechslungsreichen Pfaden weiter zur Nase. Auch hier noch einmal eine schöne Aussicht, insbesondere auf unser nächsten Ziel Asbach. Jetzt noch einmal steil hinauf zum Kammweg, auf Stufen hinunter, und dann kam eine kleine Odyssee in Richtung Lindenberg mit kurzer Freestyle-Variante. Ich glaube, das fand Anette nicht so toll. Irgendwann erreichten wir Asbach und kehrten in der Schmiede ein. Die Mischung aus Schwarzbier und Käse-Stachelbeer-Kuchen war schon etwas krude, aber schmeckte. Derart gestärkt verließen wir Asbach, querten ein letztes Mal den Kolonnenweg und waren plötzlich wieder in Hessen. Asbach gehörte bis 1945 zu Hessen, wurde dann aber in den Grenzverhandlungen nach Kriegsende den Sowjets zugeschlagen, damit die Briten auf ihrer Seite eine Unterbrechung der Bahnstrecke Göttingen-Bebra bei Kleinseesen vermeiden konnten.
Wir widmeten uns nun dem Aufstieg zum Spitzenberg, dort fanden wir eine schöne Schutzhütte vor, mit Blick auf das Werratal. Wir pausierten aber nicht, sondern setzten die Wanderung zum Aussichtspunkt Faulbornskopf fort. Die Aussicht auf Werra und insbesondere Schloss Rothenstein waren wirklich toll. Der Abstieg ins Hainsbachtal war dann eine ziemliche Überraschung. Laut Karte sollte es eine schmale Fahrstraße sein, dieser entpuppte sich dann aber als laubgefüllter Hohlweg. An manchen Stellen lagen unter dem Laub nasse Äste in Hangrichtung, ideal zum Wegrutschen! Ist mir auch einmal gelungen, aber ich warf mich einfach nach links ins tiefe Laub und fiel butterweich und konnte darüber nur lachen. Es hatte etwas wie ein Abstieg durch Pulverschnee! Also mir hat es Spaß gemacht. Nach dieser Laubgasse ging es auf einer holperigen Schneise hinunter zu einer verfallenen Hütte, die 1830 von einem Eschweger Weinhändler gebaut wurde, nun aber dem Verfall preisgegeben ist. Dem Bach folgten wir bis zu einer Villa kurz vor der Werra. An der Villa begann auch die Zufahrtsstraße zum Schloss Rothenstein. Wir folgten aber nun einem bequemen Wiesenweg an der Werra entlang, denn so langsam wurde es Zeit für das Abendessen in Allendorf. Nach einer halben Stunde mühsamer Latscherei (wir hatten jetzt schon ca. 24km in den Knochen) erreichten wir die Innenstadt. Vor der Kneipe Zum Anker trafen wir einen angetrunkenen Gast, der uns aber sagte, dass man in seiner Pinte nichts zu essen bekäme. Anette glaubte das nicht und fragte lieber nochmal drinnen nach, wobei der Gastwirt dies nochmal bestätigte und einer der Gäste sagte, dass es sich hier um eine Stehtrinkerhalle handelte. Na gut, erste Niete. Wir wanderten zum Marktplatz hinauf, dort fanden wir eine Pizzeria mit fairen Preisen, in der wir auch höflich bedient wurden, auch wenn wir etwas angeranzt aussahen (und vermutlich auch so rochen!).
Ich hatte eine Lasagne und war gut gesättigt, jetzt musste ich mich nur noch samt Abendessen den Berg zum nächsten Biwakplatz hochkriegen, für Anette galt dasselbe. Die Werra war schnell durchquert, wir besuchten das riesige Gradierwerk, querten das Kurgebiet und folgten dann einem schmalen Waldpfad steil den Berg hinauf. Nach rechts zweigte nach 15 Minuten ein Pfad ab, der an einer Landstraße endete. Auf der gegenüberliegenden Seite ließ sich keine Fortsetzung finden. Das vielversprechendste war eine Rampe, die nach links hinaufführte, wo aber jede Menge toter Bäume den Weg versperrten. Es war schon lange dunkel, und mit Stirnlampen war auch alles nicht optimal zu erkennen. Es half nichts, und unter lautem Gefluche (vor allem von Anette) mussten wir eine steile Flanke aus rutschigem Erdreich rechts aufsteigen, bis ein querliegender Hainbuchenstamm einfacheres Gelände einläutete. Ich fand tatsächlich einen Pfad, der allerdings plötzlich wieder bergab in die falsche Richtung verlief. Also nochmal scharf links abbiegen und 15 Meter den steilen Hang hinauf. Dort war dann tatsächlich der Wanderweg, den ich gesucht hatte. Ab da ging es wieder auf guten Wegen weiter. Es dauerte noch gute zehn Minuten, bis wir die Schutzhütte an der Zielecke erreichten, und Anette und ich waren sehr erleichtert, als wir erkannten, dass die Hütte ideal zum Biwakieren ist: Nach allen Seiten geschlossen, dichtes Dach, Holzfußboden! Ein echtes Paradies! Und Aussicht auf das nächtliche Bad Sooden-Allendorf!


Letzte Änderung : 22-Jul-2022
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