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Auflistung meiner bisher gegangenen TourenEinzelheiten zur Tour Übergang Badener Hütte zum Defreggerhaus
Weitere Einzelheiten zur TourNach dem gestrigen langen Aufstieg mit 1500 Höhenmetern sollte es heute - eigentlich - eine gemütliche Tour über das Frosnitztörl zum Defreggerhaus geben. Die alten Blechschilder an der Badener Hütte zeigten 3 Stunden Gehzeit an, die neueren gelben Wegweiser etwas pessimistischere 4 Stunden. Ok, dann stellen wir uns auf vier Stunden ein. ;-) Mir war schon bewusst, dass uns der Neuschnee der letzten Tage aufhalten würde, aber was dann kam, übertraf meine kühnsten Erwartungen! Bei bestem Wetter (blauer Himmel, leichter Wind) starteten wir an der Badener Hütte und stiegen größtenteils dem Moränenrücken des Frosnitzkees folgend bis auf eine Höhe von 2800m auf. Rechts zweigte der Weg zur Kristallwand ab, wir wandten uns nach links, um über triviales Geröll in eine Gletschersenke abzusteigen. Kurz vor dem Eis fanden wir eine Stelle mit kleinen Felsen als gute Anseilstelle. Nun ja, ideal war es nicht, der Boden war weich wie Pudding, und nach längerem Stehen sickerten wir ein. Zum Glück waren wir nach 15 Minuten aufbruchfertig, und wir wechselten in zwei Seilschaften auf das Eis. Die erste Seilschaft führte ich an, hinter mir waren Ute, Martina und Detlev. Die zweite Seilschaft führte Alex, hinter ihm Christina, Kerstin und Knut.Zunächst ging es nahezu eben nach Südwesten, dann bog ich nach links ab und stieg steiler das fast noch apere Eis hinauf. Ab etwa 2900 Meter wurde der Schnee immer höher, und ich musste mit Spurarbeit beginnen. Und dann fingen die Gletscherspalten an. In Summe dreimal brach ich mit dem rechten Bein in kleinere Spalten ein, aber ich konnte mich immer wieder mit dem linken Bein und den Armen aus eigener Kraft befreien. In einigen Bereichen war der eingewehte Schnee der letzten Tage so hoch, dass Sondieren mit dem Pickel nicht mehr möglich war, es war das reinste Lotteriespiel. Zweimal arbeitete ich mich parallel an Querspalten entlang, intensivst sondierend, und geriet dabei etwas nach Süden ab von der idealen Strecke. Kurz vor der Scharte wurde es aber mit den Spalten wieder besser, dafür blieb der Schnee recht hoch, außerdem zog Nebel herein und es setze an der Scharte leichter Schneefall ein. Kurz vor dem Frosnitztörl endete der Gletscher, eine schneegefüllte Mulde kam, ehe es auf einen Wall aus breiigem Schutt ging. Wir hatten jetzt mit 3112m Höhe den höchsten Punkt der heutigen Etappe geschafft. In der Scharte war es sehr windig, die Pause ließen wir ausfallen. Ich brauchte dringend was zu trinken und war nicht mehr fähig, alle Flüssigkeit aus der Weithalsflasche in meinen Mund zu dirigieren. Oha! Wir stiegen nun über Schutt und Schneefelder ca. 80 Hm ab. Die Wegspur laut OSM machte einen kleinen Haken nach Norden, um dann nach Südwest ins Tal zu führen. Es setzte jetzt Nieselregen ein. In einer Wegbeschreibung im Intranet hatte ich gelesen, dass es empfehlenswert sei, die Glexenköpfe nördlich über das Mullwitzkees zu überqueren. Bei aperem Eis sicher eine gute Idee, aber da war bestimmt mit Spalten zu rechnen. Aber als wir nach Südwest in eine Gletschergrube blickten, stockte uns der Atem: Eine schier endlos lange Felspassage aus blankpoliertem Gletscherschliff. Auf der linken Seite teilweise mit Rinnsälen, rechts viel Schutt, der polierte Gneis nass vom Regen! Als beste Möglichkeit erschien uns nun, auf Bändern und Brüchen im Gletscherschliff im rechten Bereich abzusteigen. Dabei verließen wir sogar die OSM-Wegspur, keine Ahnung, wo die weiter rechts hätte durch die Schlucht geführt!! Teilweise mit kontrollierten Rutschmanövern arbeiteten wir uns Meter für Meter talwärts. Am Ende des Gletscherschliffs fanden wir eine Passage durch den rutschigen Schutt hinunter auf das Eis. Puh, das war ein Ritt, ich war sehr froh, dass niemandem etwas passiert war. Nun war das Schlimmste aber überstanden. Wir sortierten und stärkten uns, dann seilten wir wieder an und fanden auf dem Eis südlich der Glexenköpfe einen guten Aufstiegspfad auf das Mullwitzkees, nun nahezu spaltenfrei. Ca. 700 Meter östlich des Defreggerhauses verließen wir das Eis. Doch noch immer war die Tour nicht zu Ende. Hat denn hier niemand Steinmänner aufgestellt?! Mit Hilfe der OSM-Spur fand ich einen sinnvollen Weg durch den hügeligen Gletscherschliff. Wir kamen uns vor, als liefen wir im Kreis, aber tatsächlich ging es immer näher an das Defreggerhaus. Es war neblig, und noch immer regnete es, keine guten Bedingungen zum Orientieren in fremder Umgebung. Aber irgendwann tauchte die Hütte auf, was waren wir froh!! Wir bekamen unsere Lager, hingen unsere Klamotten überall zum Trocknen auf und freuten uns wie blöd auf das Abendessen um 18:30 Uhr! Bilder zu dieser Tour sind in dieser Galerie zu finden.
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